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Es war der 2. Juni diesen Jahres, nachdem der Hermannslauf und der Turm zu Turm Lauf mit meinen Vereinskameraden erfolgreich bewältigt wurde, war meine Laufmotivation auf einem Tiefpunkt angekommen. Ich merkte, dass man mit 2 x laufen pro Woche seine Form nicht effektiv aufbauen konnte und war sehr froh als mich Ralf Dietrich auf der Arbeit anrief. Er sagte mir, dass er im Laufkalender den er bei den Vorbereitungsläufen des TVG bekommen hatte einen Lauf mit einer 0 gesehen hätte und fragt mich ob ich wüsste welche Zahl vor der 0 steht. Ich antwortete ja das weiß ich eine 5 also 5 und 0 ergibt 50 km. Noch vor einem Jahr, als meine Laufbegeisterung noch in den Kinderschuhen steckte, hätte ich jedem Größenwahnsinn attestiert, der mir gesagt hätte er laufe zum Spaß 50 km.
Aber wie schon Hermann Hesse einmal sagte : Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.
Da auch ich der Meinung bin, dass man im Leben immer ein Ziel vor Augen haben muss, willigte ich nach Rücksprache mit meiner mittlerweise im 6. Monat schwangeren Frau ein, das Training zu beginnen.
Erst einmal hatten Ralf Dietrich, Andreas Fabian und ich vor die 0 in zwei Etappen abzulaufen, bevor Ralf und ich uns verbindlich anmelden. Nach einer Internetrecherche bei Georg Rollfing (der Obernull) war ein Teil der Strecke bekannt und wir liefen von mir in Kloster Oesede los. Die erste Etappe ist wie ich finde die wesentlich schönere, wenn auch relativ bergig. Bei der zweiten Etappe begleitete uns dann auch Kenny und bewies als damaliger Berg und Talführer seine umfassende Ortskenntnis indem wir uns nur zweimal verliefen.
Fazit der zwei Läufe : Es wir schwierig aber nicht unmöglich …
Nachdem die Anmeldung für Ralf und mich gelaufen war und ich mit der Obernull wegen Streckenverpflegung und evt. Blutzuckertests gesprochen hatte, konnten die wirklich langen Läufe starten. Da ich mich leider nicht motivieren kann alleine Strecken über 15 km zu laufen, möchte ich an dieser Stelle Hans-Bernd, Kenny, Michael und Andreas danken die mich begleitet haben und mir Orte zeigten, an denen ich noch nie vorher gewesen bin.
Eine Woche vor der 0 wollte ich noch einmal eine normale Runde von 30 km machen und habe mich dafür um 7:30 mit Andreas verabredet. Erst einmal 5km zu Ihm hin, 20 km laufen und dann 5 km zurück, so war der Plan. Die 23 °C waren auch nicht mehr das Problem aber die laut meinem Barometer 84% Luftfeuchte. Nach für mich 20 km war die erste Gehpause an der Reihe und auch die aufmunternden Worte von Norbert Hartmann konnten mich nicht davon abhalten bis zu Andreas Haus noch weitere zwei Male zu gehen. Glücklicherweise hatte Andreas eine Plane zum Schutz seiner Sitzbezüge, so dass ich ohne Überschwemmung nach Hause gebracht wurde. Meine Frau begrüßte mich verwundert mit den Worten: „Was ist passiert?" Tja nicht mein Tag.
Am vergangenen Dienstag war noch einmal der Lauftreff angesagt, der mit 15 km in den Bergen den Abschluss des Trainings markierte.
Kurz vor der 0 hatte ich mir eine Insulinpumpe zur kontinuierlichen Glukosemessung besorgt und testete diese am Samstag bei einem kleinen Anschwitzlauf.
Samstag 17:00 es sind noch knapp 12 Stunden bevor die 0 beginnt. Um sich etwas einzustimmen und noch mal die Kohlenhydratspeicher aufzufüllen haben Kenny und ich uns um 19:30 Uhr zum Nudelessen bei der 0 verabredet. Es sind ca. 50 Läufer aus ganz Deutschland und den Niederlanden anwesend es herrscht eine ausgelassene und wie bei den Ultras üblich äußerst entspannte Atmosphäre. Die Gespräche gehen nicht wie üblich um 10 km Bestzeiten, sondern drehen sich um Themen wie die 100 km von Biel oder den Rundays bei 100 Meilen Läufen. Es werden Nudeln und alle gängigen Getränke gereicht. Georg Rollfing erzählt noch die ein oder andere Anekdote und gibt einen Ausblick auf den morgigen Tag. Kenny und ich verabreden uns zu 5:30 Uhr um die kühlen Morgenstunden mitzunehmen und verlassen den Übernachtungsort vieler anderer Läufer. Abends meldet sich mein Initiator Ralf Dietrich und sagt für die 0 kurzfristig ab.
18.07.2010 3:30 Uhr 10,5 °C Dämmerung 4:39 Uhr
Ich wache nach einer kurzen Nacht auf und genieße ohne jeglichen Hunger eine riesige Schale Müsli bevor die Anspannung Ihren Höhepunkt erreicht.
Mir kommen um 5:00 Uhr die ersten Frühstarter entgegen und winken freundlich auf meine Lichthupe bevor Sie in den Sonnenaufgang Richtung Osten verschwinden.
In der Turnhalle esse ich noch ein Marmeladenbrot bevor Georg die mittlere Startergruppe mit Kenny und mir verabschiedet. Es starten ca. 50 Läufer mit einem Schnitt von 6 min/km in Richtung Limberg.
Auf den schmalen Wegen im Limberg läuft man Schulter an Schulter und unterhält sich mit verschiedenen Läufern aller Altersklassen. Die ersten Anstiege sind noch erträglich bevor es zum Dörenberg steil berauf geht. Nach der B 51 bei km 11 ist die erste Verpflegungsstelle des DRK mit Tee und Wasser. Die darauf folgenden Steigungen werden von sämtlichen Läufern gehend zurückgelegt, bevor man bei herrlichem Sonnenschein bis nach Melle blicken kann. Der jetzt folgende Streckenabschnitt ist für mich der schönste weil man auf dem Kammweg unterwegs ist und immer wieder die atemberaubende Aussicht genießen darf. Bei km 18 werden wir von den ersten Läufern der Startgruppe 6:00 Uhr des TVG überholt. Kenny wird mit dem Spruch begrüßt „ Wenn das nicht Kenny der I ist, was macht Du denn hier hinten?" Anstatt das Kenny antwortet, dass er mich begleitet gibt es kontra mit: „Wir laufen die zweite Runde" Bei der zweiten Verpflegungstelle hatte sich dann leider auch mein Sensor gelöst, so dass ich die Insulinpumpe beim DRK abgeben musste.
Bei der 3. Verpflegungsstelle in Sutthausen konnte man die mitgebrachten Taschen nehmen und sein T-shirt wechseln und einen Trinkgürtel anlegen.
Nach einem letzten Blutzuckertest und dem Genuss von einem Marmeladenbrötchen mit 1l Traubensaft ging es weiter in Richtung Nahner Grassbahn.
So langsam hatte man die Läufer, die das gleiche Tempo liefen kennen gelernt und sich über Gott und die Welt ausgetauscht. Bei den ersten Steigungen gingen die Mitläufer und ich schloss mich dem dankend an. Bis hier wurde ein Schnitt von 6:34 min / km gelaufen, der sich jedoch bis zum Ziel auf 7:04 min / km steigern sollte. Die Sonne fing auch so langsam an Ihre Kraft zu entwickeln. Die Verpflegungstelle beim Hotel Waldesruh kam dann wie gerufen, um auch mal dem Kopf und Oberkörper etwas Wasser zu gönnen. Ab hier wurde es für mich immer beschwerlicher. Die Sonne brannte und die Beine taten weh bis die Marathoneiche ( welche laut meiner Uhr bei km 39 kam ) in Sichtweite war. Da dachte ich mir prima das war jetzt Dein erster Marathon, aber der Rückweg nach Kloster Oesede war noch nicht geschafft. Den Aufstieg bis zum Zittertal sind wir erst gelaufen, aber dann ab der Mitte komplett gegangen. Kenny meinte zu mir, dass wir so gut in der Zeit liegen, dass es auf ein bisschen gehen auch nicht mehr ankommt. Dabei musste ich erstaunt feststellen, dass wenn die anderen Mitläufer wie z.B. eine Gruppe aus Hohne komplett gehen man sich automatisch verleiten lässt auch mitzugehen.
Beim Zittertal war ich die mittlerweile 1,6 l Traubensaft und geschätzte 2 l Cola so leid, dass ich lediglich einen Becher Wasser für den Kopf entgegennahm und langsam weiter trabte.
Der Ausblick über ganz Georgsmarienhütte entschädigte noch mal für die Strapazen der letzten km. Es war ein großartiges Gefühl zu sehen an welchen Punkten man die letzten 5 Stunden gewesen war.
Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. Auf geradem Weg ist die Turnhalle noch 4 km entfernt, aber der Ultra muss noch 9 km laufen um die 50 km voll zu bekommen. Also läuft man noch durch Holsten Mündrup im Zick Zack durch den Wald in Kloster Oesede und an der Hauptstraße in Kloster Oesede angekommen auch noch in Richtung Rölker. Ich bin hoffentlich jemand, der fair jeden Meter mitläuft, aber als Kenny mir 50 m vor der Kirche in Kloster sagte: „ Wir laufen die Originalstrecke rechts zum Markt hoch und dann neben dem Dütmann herunter, war ich doch etwas am Zweifeln ob heute schon ein anderer Läufer diesen Weg absolviert hat. Aber was soll's, wenn man schon mit dem einzigen ins Ziel kommt, der langsam läuft obwohl er schnell könnte kommt es auf diese kleine Schleife auch nicht mehr an.
Im Ziel erwartet uns dann auch schon Michael Henkenborg mit den aufmunternden Worten „Seid Ihr auch schon da?"
Da kein Sauerstoffzelt in Sicht war, mache ich mich auf den Weg zur nächsten Wasserflasche und wurde herzlich von Heida und Hans-Bernd Mergelmeyer begrüßt und beglückwünscht.
Um es auf den Punkt zu bringen: Ich war begeistert! Die anspruchsvolle Strecke mit 821 Höhenmetern wurde durch die vielen netten Mitläufer als machbar empfunden und die Atmosphäre vor und nach dem Lauf war grandios.
Für ein Startgeld von 17 € Nudelessen mit Getränke am Vorabend, Frühstück mit Getränken, 4 Verpflegungsstellen mit Obst und Cola, Essen und Getränke nach dem Lauf und zwei hochwertige Urkunden. Da stimmt sowohl der Preis als auch die Leistung.
Zuletzt möchte ich mich noch mal ganz herzlich bei allen bedanken die mich in der Vorbereitung unterstütz haben, aber ganz besonders beim Magister bergum etalum Kenny Loughlin, der die ganzen 50 km nicht von meiner Seite gewichen ist.
Michael Kamsties




